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Graphen
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Graphen [] (Betonung auf der zweiten Silbe: Graphen; französisch graphĂšne, englisch graphene) ist die Bezeichnung fĂŒr eine Modifikation des Kohlenstoffs mit zweidimensionaler Struktur. Jedes Kohlenstoffatom ist im Winkel von 120° ĂŒber Atombindungen mit drei weiteren verbunden, so dass sich ein bienenwabenförmiges Muster ausbildet. DarĂŒber hinaus ist jedes Kohlenstoffatom auch an einer Doppelbindung beteiligt. Die Elektronen dieser Doppelbindungen, die π-Elektronen, sind jedoch vollstĂ€ndig delokalisiert, das heißt frei ĂŒber die gesamte Wabenstruktur beweglich. Insgesamt handelt es sich bei der Graphenstruktur um eine VerknĂŒpfung sehr vieler Benzolringe zu einer durchgehenden FlĂ€che. Graphen lĂ€sst sich damit als Extremfall eines polycyclischen aromatischen Kohlen­wasserstoffs beschreiben. Aufgrund der durchgehenden VerknĂŒpfungen in den FlĂ€chen sind jedoch dort gar keine Wasserstoffatome gebunden. Nur an den RĂ€ndern des Wabengitters sind zum Erreichen der Vierbindigkeit der C-Atome weitere Bindungspartner, beispielsweise Wasserstoffatome, vorhanden. Gemessen an der GrĂ¶ĂŸe des GesamtmolekĂŒls haben sie kaum Einfluss auf die Eigenschaften des Graphens.

Gedanklich lĂ€sst sich durch Stapeln solcher einlagiger Graphen-Schichten die dreidimensionale Struktur des Graphitscite-ref-wallace1947-1-0[1] erzeugen, mit dem Graphen strukturell eng verwandt ist. Stellt man sich die einlagigen Schichten dagegen aufgerollt vor, so erhĂ€lt man gestreckte Kohlenstoffnanoröhren.cite-ref-2[2] Ebenfalls gedanklich kann man einige der Sechserringe durch FĂŒnferringe ersetzen, wodurch sich die ebene FlĂ€che zu einer KugelflĂ€che wölbt und sich bei bestimmten ZahlenverhĂ€ltnissen Fullerene ergeben: Ersetzt man zum Beispiel 12 von 32 Ringen, entsteht das Buckminster-Fulleren (C60).cite-ref-3[3] Theoretisch sind auch einlagige Schichten aus anderen vierwertigen Elementen wie Silicium und Germanium möglich. Im Jahr 2012 wurden solche Silicen-Schichten in Form einer leicht gewellten einlagigen Schicht aus Silicium experimentell nachgewiesen.cite-ref-4[4]

Im Jahr 2010 wurden Geim und Novoselov fĂŒr ihre Untersuchungen am Graphen mit dem Nobelpreis fĂŒr Physik ausgezeichnet,cite-ref-5[5]cite-ref-nobel-6-0[6] nachdem sie nicht nur fĂŒr die Darstellung dieser Systeme Entscheidendes geleistet, sondern auch viele ihrer ungewöhnlichen Eigenschaften entdeckt hatten.

Contents

‱ Geschichte
‱ Struktur
‱ Mechanisch
‱ Chemisch
‱ Graphan
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte

Im Jahr 1859 beschrieb Benjamin Collins Brodie jr. die lamellare Struktur von thermisch reduziertem Graphitoxid.cite-ref-brodie1859-7-0[7] Dieses wurde 1918 von Volkmar KohlschĂŒtter und P. Haenni intensiv untersucht. Sie berichteten daneben auch ĂŒber die Herstellung von Graphitoxidpapier.cite-ref-kohlschutter1918-8-0[8] Die ersten Transmissionselektronenmikroskop-Aufnahmen (TEM-Aufnahmen) von Kohlenstoffschichten mit geringer Lagenzahl wurden 1948 von G. Ruess und F. Vogt veröffentlicht.cite-ref-ruess1948-9-0[9]

Im Jahr 1947 beschrieb der theoretische Physiker Philip Russell Wallace an der McGill-UniversitÀt in Montreal die elektrischen Eigenschaften von einlagigen Kohlenstoffschichten, doch die Fachwelt bezweifelte, dass solche zweidimensionale Kristalle existieren könnten, da sie zu instabil seien.cite-ref-10[10] Unendlich ausgedehnte und vollstÀndig flache, d. h. strikt zweidimensionale Strukturen, sollten aufgrund des Mermin-Wagner-Theorems und seiner Varianten, nicht möglich und thermodynamisch instabil sein.cite-ref-11[11]cite-ref-12[12]

Zu den Pionieren der Graphenforschung gehört auch Hanns-Peter Boehm. Er berichtete bereits 1962 ĂŒber einlagige Kohlenstofffoliencite-ref-boehm1962-13-0[13] und prĂ€gte zudem den Begriff Graphen.cite-ref-14[14]

Ein Wendepunkt gelang Konstantin Novoselov, Andre Geim und ihren Mitarbeiterncite-ref-novoselov2004-15-0[15] als sie im Jahr 2004 die Darstellung freier, einschichtiger Graphenkristalle bekannt gaben. Deren unerwartete StabilitĂ€t könnte durch die Existenz metastabiler ZustĂ€ndecite-ref-16[16] oder durch Ausbildung einer unregelmĂ€ĂŸigen Welligkeit (engl. crumpling) der Graphenschichtcite-ref-17[17]cite-ref-nobel-6-1[6] erklĂ€rt werden. FĂŒr ihre Forschungen am Kohlenstoff-Allotrop Graphen bekamen Novoselov und Geim im Jahr 2010 den Nobelpreis fĂŒr Physik zuerkannt.

Struktur

Alle Kohlenstoffatome von Graphen sind sp2-hybridisiert, das heißt, jedes Kohlenstoffatom kann drei gleichwertige σ-Bindungen zu anderen C-Atomen ausbilden. Daraus resultiert eine auch aus den Schichten des Graphits bekannte Waben-Struktur. Die Kohlenstoff-Kohlenstoff-BindungslĂ€ngen sind alle gleich und betragen 142 pm.cite-ref-18[18] Die dritten, nicht hybridisierten 2p-Orbitale stehen wie auch im Graphit senkrecht zur Graphenebene und bilden ein delokalisiertes π-Bindungssystem aus.cite-ref-mortimer-19-0[19]

Graphen besteht folglich aus zwei Ă€quivalenten Untergittern A und B, denen die Kohlenstoffatome zugeordnet sind. Die Untergitter sind um die BindungslĂ€nge a b {\displaystyle a_{b}} gegeneinander verschoben. Die zweiatomige Einheitszelle wird durch die Gittervektoren a → → 1 {\displaystyle {\vec {a}}_{1}} und a → → 2 {\displaystyle {\vec {a}}_{2}} aufgespannt. Diese zeigen dabei auf die jeweils ĂŒbernĂ€chsten Nachbarn. Die LĂ€nge der Vektoren und damit die Gitterkonstante a {\displaystyle a} lĂ€sst sich berechnen zu

a = | a → → 1 | = | a → → 2 | = 3 ⋅ ⋅ a b ≈ ≈ 2 , 46 Å = 246 p m {\displaystyle a=|{\vec {a}}_{1}|=|{\vec {a}}_{2}|={\sqrt {3}}\cdot a_{b}\approx 2{,}46\,\mathrm {\AA} =246\,\mathrm {pm} } .

Graphen kann einerseits als Einkristall, andererseits als riesiges MolekĂŒl verstanden werden. Ebenso können kleinere MolekĂŒle wie z. B. Benzol, Hexabenzocoronen oder Naphthalin als wasserstoffsubstituierte Graphenfragmente gesehen werden.

Herstellung

Mechanisch

Die ersten Graphenflocken wurden von Novoselovcite-ref-novoselov2004-15-1[15] durch AbblĂ€tterung (Exfoliation) von HOPG (englisch Highly Oriented Pyrolytic Graphite, dt. hochgeordneter pyrolytischer Graphit) gewonnen. Das eingesetzte Verfahren Ă€hnelt dem sogenannten Klebebandtest; dabei wird ein Klebeband auf eine FlĂ€che gedrĂŒckt – in diesem Fall auf einen Graphitblock – und anschließend schnell abgezogen, so dass herauslösbare Elemente (hier Graphit) im Klebstoff zurĂŒckbleiben. Dieses Klebeband wird dann auf einen mit Fotolack beschichteten Silicium-Wafer gedrĂŒckt und nochmals abgezogen. Nach dem Entfernen des Klebebands bleiben dĂŒnne Graphitpartikel auf der OberflĂ€che der Fotolackschicht zurĂŒck. Anschließend wird die Fotolackschicht mit Aceton aufgelöst und dann der Wafer mit Wasser und 2-Propanol gespĂŒlt. Bei Auflösen der Fotolackschicht haften einige Graphitpartikel an der WaferoberflĂ€che, die zusĂ€tzlich dĂŒnn mit Siliciumdioxid beschichtet sein kann. Auf diese Weise lassen sich lokal dĂŒnne Graphitfilme herstellen. Die fĂŒr Graphenuntersuchungen interessanten Schichten, welche dĂŒnner als 50 nm sind, sind optisch fast transparent. Die zusĂ€tzliche Schicht verĂ€ndert die Reflexionseigenschaften des Substrates, so dass sich die durch Interferenzeffekte bedingte violette Farbe der Siliciumdioxidschicht nach Blau verĂ€ndert. An den RĂ€ndern dieser 50-nm-Schichten kann man dann mit dem Rastertunnel- oder Rasterkraftmikroskop nach dĂŒnnerem Graphen suchen.

Bei einer anderen Exfoliationsmethode werden vor dem Exfoliationsprozess mit einem Sauerstoffplasma Vertiefungen in das HOPG geĂ€tzt, die isolierte Plateaus (Mesas) stehen lassen. Danach wird ein mit Klebstoff benetzter GlastrĂ€ger auf die OberflĂ€che gedrĂŒckt und abgezogen. Die im Klebstoff haftenden Mesas werden nun ebenfalls so lange mit Klebestreifen abgezogen, bis nur noch ein Rest ĂŒbrig bleibt. Danach wird der Klebstoff in Propanon aufgelöst und die im Propanon suspendierten Graphenflocken mit einem Siliciumwafer herausgefischt und wiederum mit optischem Mikroskop und Rastertunnel- oder Rasterkraftmikroskop abgesucht.

Bei diesen beiden Methoden handelt es sich um sehr zeitaufwendige Verfahren, bei denen man zwar hochwertige, aber nur sehr wenige Proben erhÀlt.

Im April 2014 wurde eine Methode bekannt, bei der sich mittels eines starken Mixers in einem Gemisch aus Wasser, GeschirrspĂŒlmittel und Graphitpulver große Mengen hochwertiges Graphen erzeugen lassen. Das Graphitpulver wird hierbei in etwa 100 Nanometer große und 1 Nanometer dicke Graphenflocken gespalten.cite-ref-20[20]

Chemisch

Das meistversprechende Verfahren ist die Herstellung von Graphen durch Reduktion von Graphitoxidpapier. So berichtete beispielsweise das California Nanosystems Institute (CNSI) im Jahr 2008 ĂŒber ein „Massenproduktionsverfahren“, das auf der Reduktion von Graphitoxidpapier in flĂŒssigem Hydrazin basiert. Auf diese Weise konnten Graphen-Monolagen der GrĂ¶ĂŸe 20 ÎŒm × 40 ÎŒm erzeugt werden.cite-ref-21[21] Daneben wurde auch ĂŒber den schrittweisen Aufbau aus polyzyklischen Aromatencite-ref-22[22]cite-ref-23[23] sowie eine chemische AbblĂ€tterungcite-ref-24[24] aus Graphit durch organische Lösungsmittel berichtet.

Im Grammmaßstab lĂ€sst sich Graphen auch in einer zweistufigen Reaktion herstellen. Dabei werden im ersten Schritt in einer Solvothermalsynthese Natrium und Ethanol miteinander umgesetzt. Unter mehrstĂŒndigem Erhitzen unter hohem Druck entsteht dabei ein komplexes Gemisch mit Natriumethoxid als Hauptbestandteil. Im zweiten Schritt wird das Reaktionsgemisch unter Luftausschluss stark erhitzt (Pyrolyse), wobei man nach einer abschließenden Ultraschallbehandlung unter anderem Graphen isolieren kann.cite-ref-25[25]

GrĂ¶ĂŸere Mengen können durch die Pyrolyse von Graphitoxid erhalten werden. Durch plötzliches Erhitzen auf Temperaturen zwischen 600 und 1000 °C wird dabei die Schichtstruktur des Edukts vom abgespaltenen Gas aufgesprengt, wĂ€hrend sich in den Schichten das hexagonale Graphengitter spontan neu bildet. Die dabei typisch erhaltene spezifische OberflĂ€che des Materials entspricht einer Stapelhöhe von durchschnittlich 2–3 Graphenlagen.cite-ref-26[26]

Große FlĂ€chen aus Graphen stellt man dadurch her, dass man eine monoatomare Schicht aus Kohlenstoff auf eine Folie aus inertem TrĂ€germaterial, wie zum Beispiel Kupfer, durch chemische Gasphasenabscheidung (CVD, von engl. „Chemical Vapour Deposition“) aufbringt und dann das TrĂ€germaterial auflöst,cite-ref-27[27] oder indem man das Graphen mechanisch vom Wachstumssubstrat abhebtcite-ref-28[28]. Dies geschieht oft mittels elektrochemischer Delamination („Bubbling“), wobei eine Spannung angelegt wird, um durch Elektrolyse Gas unter dem Graphen herzustellen. Man verbindet die Kupferfolie als Elektrode mit einer Spannungsquelle; die zweite Elektrode wird in einer Salzlösung befestigt. Beim folgenden Eintauchen der Folie entstehen Blasen unter dem Graphen, welches sich so vom Kupfer löst und dann gereinigt werden kann. Damit die dĂŒnne Graphenschicht nicht zerstört wird, wird sie ĂŒblicherweise vorher mit einem Kunststoff beschichtet, der die StabilitĂ€t beim Ablösen erhöht. Kupferfolien sind fĂŒr CVD besonders geeignet, da sich kaum Kohlenstoff im Metallgitter zu lösen vermag (also die OberflĂ€che kaum durchdringt). Die schwache Wechselwirkung zwischen Graphen und Kupfer ist ein weiterer großer Vorteil.cite-ref-29[29] Die Geschwindigkeit dieses Prozesses kann durch eine schwache Sauerstoffzufuhr, zum Beispiel durch Erhitzen eines SiO-Gitters drastisch erhöht werden.cite-ref-30[30]

Epitaktisches Wachstum

Graphen kann epitaktisch auf metallischen Substraten wachsen. Eine in der Literatur vorgestellte Methode ist die Zersetzung von Ethen auf Iridium.cite-ref-31[31] In einem weiteren Verfahren wird die Löslichkeit von Kohlenstoff in Übergangsmetallen verwendet.cite-ref-32[32] Beim Erhitzen löst sich der Kohlenstoff im Metall, tritt beim AbkĂŒhlen wieder heraus und ordnet sich als Graphen auf der OberflĂ€che an.

Eine weitere Möglichkeit der Darstellung einzelner Graphenlagen ist die thermische Zersetzung hexagonaler Siliciumcarbid-OberflĂ€chen. Bei Temperaturen oberhalb des Schmelzpunktes von Silicium verdampft das Silicium aufgrund seines (im Vergleich zu Kohlenstoff) höheren Dampfdrucks. Auf der OberflĂ€che bilden sich dann dĂŒnne Schichten einkristallinen Graphits, die aus wenigen Graphenmonolagen bestehen. Dieses Verfahren ist geeignet fĂŒr Anlassprozesse im Vakuumcite-ref-33[33]cite-ref-34[34] und in einer InertgasatmosphĂ€re aus Argon.cite-ref-35[35] Die Dicke und Struktur des epitaktisch gewachsenen Graphens hĂ€ngt dabei empfindlich von den eingestellten Prozessparametern ab, insbesondere von der Wahl der AtmosphĂ€re und der Struktur der SubstratoberflĂ€che sowie der Polarisation der Siliciumcarbid-OberflĂ€che.

2025 wurde berichtet, dass es in Großbritannien gelungen sei, Graphen-Feldeffekttransistoren (GFETs) herzustellen, fĂŒr die Graphen direkt auf 150-mm-Silicium-Wafern (6-Zoll) aufgewachsen ist.cite-ref-paragraf-2025-36-0[36]

Eigenschaften

| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| FlĂ€chenmasse | 7,57 × 10 −7 kg·m −2 [ 37 ] |
| E-Modul | ca. 1020 GPa [ 38 ] |
| Zugfestigkeit | 125 GPa [ 38 ] |
| SchwÀchung von sichtbarem Licht | 2,3 % [ 39 ] |
| Schichtdicke | 3,35 × 10 −10 m [ 37 ] |
| WÀrmeleitfÀhigkeit | ca. 5000 W/(m·K) [ 40 ] |
| Spezifischer elektrischer Widerstand | 31 Ω·m |

Graphen hat ungewöhnliche Eigenschaften, die es sowohl fĂŒr die Grundlagenforschung als auch fĂŒr Anwendungen interessant machen, und zwar vor allem in der Physik.

Beispielsweise sind Graphen-FlĂ€cheneinkristalle innerhalb der FlĂ€chen außerordentlich steif und fest. Der ElastizitĂ€tsmodul entspricht mit ca. 1020 GPa dem von normalem Graphit entlang der Basalebenen und ist fast so groß wie der des Diamants. Seine Zugfestigkeit von 1,25 × 1011 Pa ist die höchste, die je ermittelt wurde, und rund 125-mal so hoch wie die von Stahl.cite-ref-lee-38-2[38] Ein Band aus Graphen von 1 m Breite und 3,35 × 10−10 m Dicke, also von einer Atomlage, hat daher eine Zugfestigkeit von 42 N. Ein Band fĂŒr einen Weltraumlift aus Graphen mit konstanter QuerschnittsflĂ€che wĂŒrde in der Höhe der geostationĂ€ren Umlaufbahn von 35.786 km erst zu 87,3 % seiner Reißfestigkeit belastet werden.

Ausgehend von monokristallinem Graphit mit einer Dichte von 2260 kg·m−3 und einem Schichtabstand von 3,35 × 10−10 m errechnet sich durch Multiplikation fĂŒr Graphen eine FlĂ€chenmasse von 7,57 × 10−7 kg·m−2.cite-ref-graphitdichte-37-2[37] Ein Quadratkilometer wiegt somit 757 g. „Eine Graphen-HĂ€ngematte von einem Quadratmeter GrĂ¶ĂŸe könnte eine vier Kilogramm schwere Katze tragen – und selbst nur so viel wiegen wie ein einzelnes Schnurrhaar der Katze.“cite-ref-41[41]

Graphen verhĂ€lt sich durch das Fehlen einer BandlĂŒcke als Elektrischer Leiter, siehe die unten stehende Abbildung zur Energie der Elektronen in Graphen. Eine kĂŒnstliche BandlĂŒcke im Graphen kann jedoch erzeugt werden, indem man in die Schicht ein maximal 10 nm breites sog. Gate „einschneidet“.cite-ref-42[42]cite-ref-43[43]cite-ref-44[44]cite-ref-45[45]

Messungen haben ergeben, dass eine einzelne Graphenschicht das Licht etwa um πα ≈ 2,3 % abschwĂ€cht (mit der Feinstrukturkonstante α), und zwar ĂŒber das gesamte sichtbare Spektrum.cite-ref-transmission-39-1[39]cite-ref-46[46]cite-ref-47[47]

Pseudo-relativistisches Verhalten

Die elektrischen Eigenschaften von Graphen lassen sich gut durch ein Tight-Binding-Modell beschreiben. Im Rahmen dieses Modells ergibt sich die Energie der Elektronen mit Wellenzahl k {\displaystyle \mathbf {k} } (siehe Wellenvektor) zu

E = ± ± Îł Îł 0 2 ( 1 + 4 cos 2 ⁥ ⁥ π π k y a + 4 cos ⁥ ⁥ π π k y a ⋅ ⋅ cos ⁥ ⁥ π π k x 3 a ) {\displaystyle E=\pm {\sqrt {\gamma _{0}^{2}\left(1+4\cos ^{2}{\pi k_{y}a}+4\cos {\pi k_{y}a}\cdot \cos {\pi k_{x}{\sqrt {3}}a}\right)}}} ,cite-ref-wallace1947-1-1[1]

mit der NĂ€chsten-Nachbar-Hopping-Energie Îł Îł 0 ≈ ≈ 2 , 8 e V {\displaystyle \gamma _{0}\approx 2{,}8\ \mathrm {eV} } und der Gitterkonstante a ≈ ≈ 2 , 46 Å {\displaystyle a\approx 2{,}46\ \mathrm {\AA} } cite-ref-trauzettel-48-0[48]. Leitungs- und Valenzband entsprechen Plus- bzw. Minus-Vorzeichen in der obigen Dispersionsrelation. Sie berĂŒhren einander in Graphen genau in sechs ausgezeichneten Punkten, den sogenannten K-Punkten, von denen jedoch nur zwei voneinander unabhĂ€ngig sind (die ĂŒbrigen sind durch die Gittersymmetrie zu diesen beiden Ă€quivalent). In ihrer Umgebung hĂ€ngt die Energie wie bei einem relativistischen Teilchen linear von k {\displaystyle \mathbf {k} } ab (vgl. Photon: E = ℏ ℏ c | k → → | {\displaystyle E=\hbar c|{\vec {k}}|} ). Da die Basis zweiatomig ist, hat die Wellenfunktion sogar eine formale Spinorstruktur. Das fĂŒhrt dazu, dass die Elektronen bei niedrigen Energien durch eine Relation beschrieben werden können, die Ă€quivalent zur Dirac-Gleichung ist, und das zusĂ€tzlich im sogenannten chiralen Limes, d. h. fĂŒr verschwindende Masse M 0 {\displaystyle M_{0}} , was einige Besonderheiten ergibt:

v F σ σ → → ⋅ ⋅ ∇ ∇ → → ψ ψ ( r ) = E ψ ψ ( r ) {\displaystyle v_{F}\,{\vec {\sigma }}\cdot {\vec {\nabla }}\psi (\mathbf {r} )=E\psi (\mathbf {r} )}

Hier bezeichnet v F ≈ ≈ 10 6 m / s {\displaystyle v_{F}\approx 10^{6}\ \mathrm {m/s} } die Fermi-Geschwindigkeit in Graphen, die an die Stelle der Lichtgeschwindigkeit tritt; σ σ → → {\displaystyle {\vec {\sigma }}} bezeichnet die Pauli-Matrizen, ψ ψ ( r ) {\displaystyle \psi (\mathbf {r} )} die zweikomponentige Wellenfunktion der Elektronen und E {\displaystyle E} ihre Energie.cite-ref-castro-49-0[49]

Ungewöhnlicher Quanten-Hall-Effekt

Wegen der Besonderheiten in der Dispersion ist in diesem Material die Treppenstruktur der ganzzahligen Quanten-Hall-Plateaus, σ σ x y ∝ ∝ n {\displaystyle \sigma _{xy}\propto n} , fĂŒr alle Stufen genau „um 1/2 verschoben“, n → → n + 1 2 , n ∈ ∈ N + . {\displaystyle n\to n+{\tfrac {1}{2}}\,,\,n\in \mathbb {N+} .} cite-ref-rise-50-0[50] Die Zwei-Valley-Struktur (formaler „Pseudospin“) und die „echte“ Spin-Entartung ergeben zusammen einen zusĂ€tzlichen Faktor 4. Bemerkenswerterweise kann man dies – im Gegensatz zum konventionellen Quanten-Hall-Effekt – auch bei Zimmertemperatur beobachten.cite-ref-2dgasdiracfermions-51-0[51]

Steifigkeit und TemperaturabhÀngigkeit

Graphen ist in Schichtrichtung extrem steif,cite-ref-lee-38-3[38] weil die sp2-Bindung zwischen benachbarten Atomen von der StĂ€rke her mit der sp3-Bindung von Diamant vergleichbar ist. Dementsprechend erwartet man generell – und das entspricht dem Experimentcite-ref-castro-49-1[49]cite-ref-rise-50-1[50] –, dass die fĂŒr die Anwendung interessanten Eigenschaften von Graphen nicht nur am absoluten Temperaturnullpunkt gelten, d. h. bei −273,15 °C, sondern bei Zimmertemperatur gĂŒltig bleiben.

Eine solche Eigenschaft ist die ThermoelektrizitĂ€t: Ein Temperaturgradient in Graphen-Ebenen verursacht eine elektrische FeldstĂ€rke aufgrund einer Entkopplung der Temperatur der Elektronen von der des Gitters. Elektrische Spannung bei Beleuchtung von Graphen war schon frĂŒher beobachtet worden, aber als Ursache wurde die Photovoltaik vermutet. Dass die Entkopplung noch bei Zimmertemperatur beobachtet werden kann, liegt an der Steifigkeit des Gitters: Die elementaren Schwingungsanregungen des Gitters (Phononen) sind so hochenergetisch, dass die Elektronen selten ein solches Phonon erzeugen.cite-ref-52[52]

Elastisches Verhalten und Pseudo-Magnetfeld

Im Juli 2010 wurde in einer Veröffentlichung in der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift Science von extrem starken Pseudo-Magnetfeldern berichtet.cite-ref-53[53] Durch elastische Verformung wurden in Graphen winzige dreieckige BlĂ€schen von 4 Nanometer bis 10 Nanometer GrĂ¶ĂŸe erzeugt, in denen sich die Elektronen so bewegten, als wĂŒrde ein etwa 300 Tesla starkes Magnetfeld auf sie einwirken. Es zeigte sich, dass der beobachtete Effekt, im Gegensatz zur Auswirkung eines echten Magnetfeldes, den eigentlichen Spin des Elektrons nicht beeinflusst, sondern dass stattdessen der gerade erwĂ€hnte Pseudo-Spin beeinflusst wird, der mit der Existenz zweier verschiedener Ă€quivalenter Basis-Atome in der Bienenwaben-Struktur zusammenhĂ€ngt.cite-ref-54[54] Dieser Pseudospin hat eine Ă€hnliche Wechselwirkung mit dem Pseudo-Magnetfeld wie echte Spins mit echten Magnetfeldern, weil auch diese „Zwei-Niveau-Systeme“ generieren. Die Experimente um den so erzeugten „Pseudo-Quanten-Hall-Effekt“ basierten auf theoretischen Vorhersagen, die damit bestĂ€tigt wurden.

Spinströme

Im April 2011 veröffentlichten A. Geim und Mitarbeiter einen Artikelcite-ref-55[55], in dem sie starke Spinströme und strominduzierten Magnetismus in der NÀhe des Dirac-Punktes beschrieben, d. h. in der NÀhe des Treffpunktes von Leitungsband und Valenzband. Das eröffnete die Aussicht auf Anwendungen in der Spintronik.cite-ref-56[56]

Chemische Funktionalisierung und EU-Großprojekt

2013 hat die EU ein neues Großprojekt („flagship project“) ĂŒber Graphene angekĂŒndigt,cite-ref-57[57] an dem Forscher in vielen Mitgliedstaaten zusammenarbeiten werden, vor allem Physiker und Chemiker. Man kann z. B. Doppelbindungen des Graphens – jede zweite Bindung ist eine solche – „aufbrechen“ und durch zwei Einzelbindungen ersetzen, an die man dann verschiedene organische MolekĂŒle anheftet: Dadurch kann man die Eigenschaften des Systems gezielt beeinflussen, was die Wissenschaftler aus dem Projekt untersuchen. Die Erfolge und Budget des Projektes erhöhten sich seit dem Anfang stetig. Im Oktober 2020 wurde beispielsweise 2D-Experimental-Pipeline, ein Projekt, das versucht 2D-Materialien und Graphen in Silicium-Halbleiter einzubauen, angekĂŒndigt und begonnen.cite-ref-58[58] Heutzutage arbeiten die beteiligten Wissenschaftler an vielen verschiedenen Ideen unter anderem in den Gebieten der Biomedizin, Energie und Elektronik und Photonik.cite-ref-59[59]

Hydrodynamisches Verhalten mit ungewöhnlichen Eigenschaften

2016 wurde ein sogenanntes hydrodynamisches („flĂŒssigkeitsĂ€hnliches“) Verhalten der Elektronen im Graphen festgestellt, jedoch mit außergewöhnlichen Eigenschaften:cite-ref-60[60] So ist z. B. das sonst fĂŒr metallische Systeme gĂŒltige Wiedemann-Franz-Gesetz, das das VerhĂ€ltnis von thermischer und elektrischer LeitfĂ€higkeit, geteilt durch die Kelvintemperatur T, bei metallischen Systemen gleich einer universellen Konstante ist, bei Graphen verletzt, indem bei AnnĂ€herung der Fermi-Energie an den Überschneidungspunkt die WĂ€rmeleitfĂ€higkeit viel zu groß wird (der spezifische WĂ€rmewiderstand also viel zu klein). DarĂŒber hinaus beobachtet man in dieser ElektronenflĂŒssigkeit (Fachausdruck: Dirac-FlĂŒssigkeit) eine ungewöhnliche Tendenz zur Ausbildung von Wirbelstrukturen.

Schaltbares, supraleitendes Graphen

Supraleitendes Graphen ist ein neues Material, das durch eine Kombination aus Graphen und Bornitrid gebildet wird.cite-ref-0-61-0[61]cite-ref-1-62-0[62] Es zeichnet sich durch seine besondere Eigenschaft aus, dass es elektrisch schaltbar ist.cite-ref-0-61-1[61]cite-ref-1-62-1[62] Dies bedeutet, dass kurze Spannungspulse ausreichen, um das Material zum Supraleiter, Leiter oder Nichtleiter zu machen.cite-ref-0-61-2[61]cite-ref-1-62-2[62] Diese FÀhigkeit könnte neue Anwendungsmöglichkeiten in der Elektronik eröffnen, die Computer und andere GerÀte energieeffizienter und schneller machen könnten.cite-ref-1-62-3[62]

Verallgemeinerungen

Verallgemeinerungen sind naheliegend. Einige durch Faltung oder Rollprozesse entstehende Strukturen, darunter die Kohlenstoffnanoröhren (englisch carbon nanotubes) und die Fullerene, wurden bereits erwĂ€hnt. Aber nĂ€herliegend ist es, zunĂ€chst Zweilagensysteme aus Graphen zu untersuchen. Diese haben interessante zusĂ€tzliche Eigenschaften: Sie zeigen halbleitendes Verhalten analog zu Silicium, aber mit einer BandlĂŒcke, die durch elektrische Felder systematisch verĂ€ndert werden kann.cite-ref-63[63]

Graphan

Mit Hilfe von atomarem Wasserstoff, der durch eine elektrische Entladung in einem Wasserstoff-Argon-Gemisch erzeugt wird, lÀsst sich Graphen in Graphan umwandeln. In Graphan ist jedem Kohlenstoffatom ein Wasserstoffatom zugeordnet, und die Bindungsstruktur Àhnelt dem sesselförmigen Cyclohexan. Graphan zerfÀllt oberhalb von 450 °C in Graphen und Wasserstoff. Graphan ist im Gegensatz zum Graphen ein elektrischer Isolator.cite-ref-64[64]

Graphen-Übergitter

Periodisch gestapeltes Graphen und sein isolierendes Isomorph bieten ein faszinierendes Strukturelement fĂŒr die Implementierung hochfunktioneller Übergitter auf atomarer Ebene, das Möglichkeiten fĂŒr den Entwurf nanoelektronischer und photonischer Bauelemente bietet. Durch Stapeln von Graphen und seinen verwandten Formen können verschiedene Arten von Übergittern erhalten werden.cite-ref-65[65] Das Energieband in schichtgestapelten Übergittern reagiert empfindlicher auf die Barrierebreite als das in herkömmlichen III-V-Halbleiter-Übergittern. Wenn der Barriere in jeder Periode mehr als eine Atomschicht hinzugefĂŒgt wird, kann die Kopplung elektronischer Wellenfunktionen in benachbarten Potentialtöpfen erheblich reduziert werden, was zur Degeneration kontinuierlicher TeilbĂ€nder in quantisierte Energieniveaus fĂŒhrt. Bei Variation der Bohrlochbreite verhalten sich die Energieniveaus in den Potentialtöpfen entlang der L-M-Richtung deutlich anders als in denen entlang der K-H-Richtung.

Ein Übergitter entspricht einer periodischen oder quasi-periodischen Anordnung verschiedener Materialien und kann durch eine Übergitterperiode beschrieben werden, die dem System eine neue Translationssymmetrie verleiht, die sich auf ihre Phononendispersionen und anschließend auf ihre WĂ€rmetransporteigenschaften auswirkt. KĂŒrzlich wurden einheitliche Monoschicht-Graphen-hBN-Strukturen erfolgreich durch Lithographiemusterung in Verbindung mit chemischer Gasphasenabscheidung (CVD) synthetisiertcite-ref-66[66]. DarĂŒber hinaus sind Übergitter von Graphen-hBN ideale Modellsysteme fĂŒr die Realisierung und das VerstĂ€ndnis des kohĂ€renten (wellenartigen) und inkohĂ€renten (partikelartigen) Phonon-WĂ€rmetransports.cite-ref-67[67]cite-ref-68[68]

Doppelschicht-Graphen

Hier ergeben sich je nach Ausrichtung der beiden Gitter zueinander MoirĂ©-Muster mit entsprechend stĂ€rkerer Kopplung der BĂ€nder in beiden Schichten und neuen TransportphĂ€nomenen je nach Drehwinkel, was 2011 zur Vorhersage einer neuen Art von Supraleitung durch Allan H. MacDonald und Rafi Bistritzer bei einem bestimmten Drehwinkel fĂŒhrte, experimentell bestĂ€tigt durch ein Team am Massachusetts Institute of Technology unter Pablo Jarillo-Herrero 2017. MacDonald, Bistritzer und Jarillo-Herrero erhielten dafĂŒr 2020 den Wolf-Preis in Physik.

Grundlagenforschung und mögliche Anwendung

Wegen der hohen elektrischen LeitfÀhigkeit von Graphen wird derzeit an der Frage geforscht, ob Graphen Silicium als Transistormaterial ablösen könnte. Erste Erfolge wie die Darstellung eines Graphit-Microchips konnten bereits verbucht werden. Mit graphenbasierten Transistoren sollten Taktraten im Bereich von 500 bis 1000 GHz möglich sein.cite-ref-69[69] IBM gelang es Anfang 2010, erstmals einen 100-GHz-Transistor auf Graphenbasis herzustellen.cite-ref-70[70] Nach Untersuchungen von Yanqing Wu und Mitarbeitern vom April 2011cite-ref-71[71] scheint Kohlenstoff mit Diamantstruktur geeignete Substrate zu ergeben.

In der Grundlagenforschung dient Graphen als Modellsubstanz fĂŒr zweidimensionale Kristalle: Es ist schwierig, das System in Form von Einzelschichten zu erhalten; erst im Jahre 2004 konnten die ersten kontaktierbaren „Graphen-Flocken“ erhalten werden.

‱ Eventueller Einsatz in Superkondensatoren und Akkuscite-ref-72[72]cite-ref-73[73]
‱ Als Graphenoxid ist es gasdicht und gleichzeitig permeabel fĂŒr H2O-MolekĂŒle. Dadurch ist ein Einsatz als Wasserfilter, Destillator und Dichtmittel vor allem als hermetische Versiegelung (sogar dicht fĂŒr Helium) geeignet.cite-ref-74[74]
‱ Graphen-basierte Halbleiter fĂŒr elektronische Komponenten wie Graphen-FETs und Sensoren.cite-ref-paragraf-2025-36-1[36]
‱ Eventueller Einsatz in der Photovoltaik als Solarzelle der dritten Generation mit einem Wirkungsgrad bis zu 60 %.cite-ref-75[75] Jedoch erscheint dieser Ansatz nach neuerer Forschung nicht möglich.cite-ref-76[76]
‱ Realisierung einer stabilen und haltbaren Speicherzelle fĂŒr kĂŒnstliche neuronale Netze mit ZwischenzustĂ€nden statt binĂ€ren Wertencite-ref-77[77]

Die EuropÀische Kommission hat 2013 im Rahmen der European Flagship Initiative beschlossen, die Erforschung von Graphen mit einer Milliarde Euro zu fördern.cite-ref-78[78]

Im November 2016 wird ĂŒber eine neue Möglichkeit berichtet, Graphen als eine Art mechanisches Pixel fĂŒr die Entwicklung neuartiger energieeffizienter Farbdisplays zu nutzen. Eine Membran aus Graphen ĂŒber einer Luftkammer wölbt sich bei Druckunterschieden und einfallendes Licht wird in unterschiedlichen Farben reflektiert. Die Forscher glauben, dass man auf der Basis eine reflektive Displaytechnik entwickeln kann, die auf interferometrischer Modulation beruht.cite-ref-79[79]

Dem Fraunhofer-Institut fĂŒr Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik (FEP) ist es 2016/17 erstmals gelungen, OLED-Elektroden aus Graphen herzustellen. Das Verfahren wurde im EU-geförderten Projekt „Gladiator“ (Graphene Layers: Production, Characterization and Integration) gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Forschung entwickelt und optimiert.cite-ref-80[80]

Das australische Unternehmen Talga verwendet seit den spĂ€ten 2010er Jahren Graphen als Beimischung zu Beton, was ihn leitfĂ€hig macht und Zement einspart. Angestrebte AnwendungsfĂ€lle waren die Förderung der ElektromobilitĂ€t durch induktives Laden von Elektroautos oder das Beheizen von Straßen.cite-ref-81[81] Seitdem hat sich herausgestellt, dass die Beimischung auch andere Eigenschaften von Beton verbessert aber auch die Kosten des Baustoffs um einen Faktor zwischen 5 und 10 erhöht.cite-ref-82[82]

Auswirkungen auf Mensch und Umwelt

Im Jahr 2013 fanden Untersuchungen an der Brown University heraus, dass 10 ÎŒm dicke, wenig-schichtige Graphenflocken in der Lage sind, Zellmembranen in Lösung zu durchdringen. Es wurde beobachtet, dass sie zunĂ€chst ĂŒber scharfe und gezackte Spitzen eindringen und so die Internalisierung von Graphen in die Zelle ermöglichen. Die physiologischen Auswirkungen davon bleiben unbekannt, und dies bleibt ein relativ unerforschtes Gebiet.cite-ref-brownedu-83-0[83]cite-ref-li13-84-0[84]

Mit Stand 2014 wurden bislang nur sehr geringe Mengen an Graphen produziert – meist in Kleinstmengen zu rein wissenschaftlichen Zwecken. Die ToxizitĂ€t von Graphen wurde bislang noch nicht tiefergehend untersucht, ebenso wenig die möglichen Auswirkungen auf die Umwelt. Wissenschaftler der University of California, Riverside sehen die Forschungen hinsichtlich der von Graphen ausgehenden Gefahren auf dem Stand, den die Wissenschaft bezĂŒglich Pharmazeutika und Chemikalien vor 30 Jahren erreicht hatte. Erste Veröffentlichungen zu diesem Thema lassen unter anderem erwarten, dass Graphen im Grundwasser eine hohe MobilitĂ€t aufweist und sich daher schnell verbreiten könnte.cite-ref-85[85]

Im selben Jahr zeigten Untersuchungen an der Stony Brook University, dass Graphen-NanobĂ€nder, Graphen-NanoplĂ€ttchen und Graphen-Nanozwiebeln bei Konzentrationen von bis zu 50 ÎŒg/ml ungiftig sind. Diese Nanopartikel verĂ€ndern die Differenzierung menschlicher Knochenmarksstammzellen zu Osteoblasten (Knochen) oder Adipozyten (Fett) nicht, was darauf hindeutet, dass Graphen-Nanopartikel bei niedrigen Dosen fĂŒr biomedizinische Anwendungen sicher sind.cite-ref-86[86]

Eine 2016 von Lalwani et al. veröffentlichte Übersicht ĂŒber die ToxizitĂ€t von Graphen fasst die In-vitro-, In-vivo-, antimikrobiellen und umweltbedingten Wirkungen zusammen und beleuchtet die verschiedenen Mechanismen der Graphen-ToxizitĂ€t.cite-ref-lalwani16-87-0[87]

Ein weiterer Übersichtsartikel, der 2016 von Ou et al. veröffentlicht wurde, konzentriert sich auf Nanomaterialien der Graphenfamilie (GFNs) und behandelt mehrere typische Mechanismen wie die physische Zerstörung von Zellen durch die scharfkantige Struktur, oxidativen Stress, DNA-SchĂ€digung, EntzĂŒndungsreaktion, Apoptose, Autophagie und Nekrose.cite-ref-ou16-88-0[88]

Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigte, dass die ToxizitĂ€t von Graphen von mehreren Faktoren abhĂ€ngt, wie etwa Form, GrĂ¶ĂŸe, Reinheit, Verarbeitungsschritten nach der Produktion, oxidativem Zustand, funktionellen Gruppen, Dispersionszustand, Synthesemethoden, Verabreichungsweg und ‑dosis sowie Expositionszeiten.cite-ref-89[89]

Siehe auch

‱ Carbin

Literatur

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Weblinks

Commons

: Graphen

– Sammlung von Bildern und Videos

Wiktionary: Graphen

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

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